Wehrbeauftragte will Veränderung
Immer noch zu wenige Frauen in der Bundeswehr
- Veröffentlicht: 10.05.2024
- 12:03 Uhr
- Lara Teichmanis
Seit über 20 Jahren stehen Frauen alle Laufbahnen bei der Bundeswehr offen - auch in den Kampftruppen. Dennoch ist die Zahl der Soldatinnen eher gering - auch in Führungspositionen. Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), will das ändern.
Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Eva Högl, hat den Mangel an Frauen bei der Bundeswehr kritisiert. "Ein Weiter-so kann es nicht mehr geben", sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
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Bundeswehr verfehlt seit Jahren die Ziele
Aktuell liege der Frauenanteil mit 24.390 Soldatinnen in der Bundeswehr bei etwas mehr als 13 Prozent. "Rechnet man die Sanität raus, liegt er unter 10 Prozent. Die Bundeswehr verfehlt damit ihre selbstgesteckten Ziele - und das seit Jahren", sagte Högl. Gesetzlich sei eine Quote von 20 Prozent festgeschrieben.
Der geringe Anteil von Frauen in der Bundeswehr ist kein unbekanntes Problem. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) trat im November 2023 bei der Jubiläumskonferenz der deutschen Sektion von "Women in International Security" (Frauen in der internationalen Sicherheit) auf.
In seiner Rede erwähnte Pistorius, dass die Bundeswehr nur dann ihre volle Wirkung entfalten könne, wenn der Anteil an Frauen deutlich gestiegen sei. Und weiter: "Nur so werden Blickwinkel und Fähigkeiten aus der gesamten Gesellschaft in die Bundeswehr aufgenommen und integriert".
Nur drei Frauen dienen im Generalsrang
Zudem beklagte Högl, dass zu wenige Frauen in Führungspositionen tätig seien. "Es gab im Jahr 2023 in der gesamten Bundeswehr nur 47 Frauen in der Besoldungsgruppe A16 und höher. Im Vorjahr war die Anzahl identisch", sagte Högl.
Lediglich drei Frauen dienten demnach im Generalsrang. "Das kann nicht zufriedenstellen." Es müsse in den kommenden Jahren darum gehen, dass "Frauen in Führungspositionen Normalität werden".
Laut Bericht sei vor allem eine gezielte Ansprache und eine gleichberechtigte Förderung von Frauen in der Bundeswehr nötig, um Parität zu erreichen.
Sexuelles Fehlverhalten und keine Damen-Duschen
Als einen möglichen Grund für die geringen Bewerbungen von Frauen für den Wehrdienst nannte Högl besonders zwei Probleme. "Jede Form von sexualisiertem Fehlverhalten zerstört das Vertrauen und die Kameradschaft und gefährdet damit die Einsatzbereitschaft der jeweiligen Einheit", sagte Högl.
Allein im Jahr 2023 wurden 385 Fälle von sexuellen Übergriffen und Fehlverhalten gemeldet. "Jeder Verstoß ist einer zu viel, muss lückenlos aufgeklärt und konsequent geahndet werden."
Jede Form von sexualisiertem Fehlverhalten zerstört das Vertrauen und die Kameradschaft.
Eva Högl, Wehrbeauftragte des Bundestages
Ein kleiner Lichtblick: Seit 2023 existiert eine neue Dienstvorschrift mit klaren roten Linien zu übergriffigem Verhalten.
Ein weiteres Defizit sei die ausbaufähige Infrastruktur und mangelnde Ausrüstung der Soldatinnen. Sanitäranlagen für Frauen in Kasernen und passende Ausrüstung, "das sollten eigentlich Selbstverständlichkeiten sein", sagt die Wehrbeauftragte.
Zahl der Bewerberinnen steigt
Trotz der genannten Schwierigkeiten sei die Anzahl an Bewerberinnen leicht gestiegen. Das sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums. "Im vergangenen Jahr stammten rund 17 Prozent der Bewerbungseingänge von Frauen. Das freut uns sehr und zeigt, dass wir auch für Soldatinnen ein attraktiver Arbeitgeber sind".
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Sie räumte jedoch ein, dass die Quote von Frauen auf militärischen Führungspositionen im Ministerium selbst aktuell bei etwa zwei Prozent liege. Außerhalb des Verteidigungsministeriums seien jedoch 16 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt. Im Bereich des Sanitätsdienstes seien es sogar rund 46 Prozent.
- Verwendete Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Bundeswehr: Personalzahlen der Bundeswehr
- Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Frauen in der Bundeswehr: Unten und oben weiterhin Mangelware"